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Windkrimi

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Der Kirschbecher war nicht unsere erste Wahl. Das kann man wirklich nicht sagen. Was nicht an dem netten Verein liegt, der ihn veranstaltet. Muß man im Nachhinein zugeben.

 

Es ist allein der Weg von Altenrhein ("unten") nach Sipplingen ("oben"). Eigentlich solltest du, wertester Kirschcup, unser Streicher werden. Im Frühjahr hatten wir das so abgemacht. Und es kam anders, denn es war schon der 3-Länder-Cup, der uns die Nullnummer gebracht hat, die erste der ganzen Serie! Ähnlich ging es auch Robert Schönbeck mit seiner Coronado, der bei der ALtnauer nicht aus der Hafeneinfahrt herausgekommen war.


Also los. Ich und Markus solltenwollten die Sprinta nach Sipplingen bringen, Petra mit dem Bus über Land hinterher oder vorneweg.

Der Seeweg hatte alles: Nebelverhangene Berge, öliges Wasser, glatt, das rrrrrääää des Außenborders. Bis kurz hinter die Fährlinie F'hafen - Romanshorn sind wir motort, dann kam etwas Wind, so daß wir die Segel setzten, Groß und Genua 1 und etwa einen Kurs in Richtung Schloß Kirchberg fahren konnten.

Das passte ja so halbwegs, wäre ja auch schade und den guten Wind gewesen. Ja, der Wind: Der nahm zu und drehte rück, und plötzlich saßen wir im Ölzeug da, Handschuhe und Stiefel an - und mußten doch die G1 gegen die G2 wechseln, weil es immer mehr wurde!

RundUmAltnauer Verhältnisse 20 Knötchen plus (+Regen).

 

Wir laufen mit 5-6 Knoten auf der Kreuz unter Land in Richtung Meersburg. Markus will wohl in das Wartehäuschen rein, daß auf der Mole steht. Aber Herrn R´s Spezialität ist ja das Wenden mit "da ist doch noch ne Handbreit zuwishen mir und der Tonne". Also wenden wir kurz vorher, so daß die Senioren in den Cafes am Ufer auch mal was spektakuläres zu sehen bekommen. Ich stelle mir vor, wie Schlagsahne auf Rüschenblüschen kleckert und Viertele auf halben Weg in Richtung Einfüllöffnung innehalten...
Wenden tun wir direkt vor den Bug einer auslaufenden Fähre. Respekt vor grünen Bällen - wir lassen es nicht auf einen Hupentest ankommen und wenden 50 Meter nach der ersten Wende wieder zurück. Jetzt können wir Überlingen anliegen. Und dort ist auch wieder der Wind weg. Den Rest nach Sipplingen motoren wir wieder und sehen schon von weitem Petra, die dem Hafenmeister einen schönen Platz an der Außenmole abgeschnackt hat.


Über Bodman hängt eine dunkelschwarze Wolke. Kaum ist alles fest und verstaut; an Segeltrocknen sollte man nicht denken, geht ein Schauer nieder, daß man kaum die Hand vor Augen sieht. Das setzt sich nachts fort, der Bus, der auf einem Parkplatz oberhalb des Hafens steht, schwankt mit aufgestelltem Hubdach fast wie ein Boot.

Und nun kommen wir zur Hauptattrakion, der Regatta.
Auch morgens wechseln sich Starkregen und verhangener Himmel mit Schauerböen und Windstille ab. Nachdem wir die "red arrow" regattaklar gemacht haben, gehen wir zur Steuermannsbesprechung. Danach ist allgemeines Auslaufen. Es gibt einen Frühstart (es gab sogar Wind), der von 2 anderen Yachten provoziert wurde, wie wir hinterher erfahren.

2 Yachten haben erst nach Meldeschluß beschlossen, an der Regatta teilzunehmen, sind aber von der Wettfahrtleitung nicht mehr zugelassen worden. Es ist eben nach Meldeschluß. Der Wettfahrtleiter ist verärgert, die Crews der Yachten auch.

Meine 5 Cent dazu - Achtung, Meinung.
Ich finde es korrekt, daß der YCSi diese Meldungen nicht mehr akzeptiert hat. Es ist nicht gerade sportlich und fair, nach "hallo-hier-bin-ich-Manier" am Regattamorgen irgendwo anzukommen und davon auszugehen, daß man noch auf die Starterliste aufgenommen wird. Die Ausschreibungen für die Regatten sind Monate im voraus schon öffentlich, dort steht auch immer der Meldeschluß und die Möglichkeiten der Nachmeldung. Der Sipplinger Verein ist ein kleiner, und eine Regattaorganisation ist mehr als nur 3 Tonnen gelegt, ein Startschiff klargemacht und nen Zeitnehmer aufgestellt. Gäste (und wir sind nicht Konsumenten) einer Regatta sollten ein gewissen Maß an Respekt gegenüber dem Veranstalter haben.

 

Nach dem Start: Glattes Wasser, rasieren von Bord aus möglich. Keine Ausgelassene Stimmung wie gestern, weil die Sprinta mit Rumpfgeschwindigkeit dahingleitet, sondern vorsichtiges, stilles Austarieren des Bootes... psst und keine Scherzle gemacht. Selbst ausatmen könnte den TWA verändern. Wir sind sehr gut gestartet, liegen gut im Feld.

 

Wir versuchen, jeden, aber auch jeden Hauch von Wind mitzunehmen. Sehen, daß das Feld, daß sich mehr ans Nordufer gedrückt hat, komplett "parkt". Neben uns dümpelt die "Liberty", ein H-Boot, die Carpe Diem, eine Jeanneau Rush und Martin Pfeiffer mit seinem frisch geputzen Drachen.

 

So unterschiedlich die Schiffe, so einheitlich die Nervenanspannung, denn auf einer Feldgröße von 50x50 Metern spielen sich wahre Winddramen ab.

 

In diesem Pulk erreichen wir die Wendemarke 1 - wirklich manövrierfähig sind wir alle nicht. Spi setzen. Ab zur Marke 2. Die Coronado ist schon wieder vorn, aber wir kommen laaangsam ran. Nach der Wende der Marke 2 dümpelt das ganze Feld noch einen Moment weiter, wir liegen fast Bord an Bord mit der Liberty.

 

Markus erahnt im richtigen Moment einen klitzekleinen Windhauch mit Dreher und allgemeinem Umtrimmen, so können wir uns vom Feld lösen, sind dicht auf mit Herrn Schönbeck und können eine achterlichen Brisenhauch zu einem Spigang ins Ziel nutzen.

 

Wir werden Dritte - außer der Coronado war nur eine J-Jolle schneller.

 

Vielen Dank an die Organisatoren des Kirschbecher - es war schön bei eich und hat viel Spaß gemacht. Und nächstes Jahr vielleicht etwas weniger Wasser (von oben) und ein wenig mehr Wind (egal, woher!)

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