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Seekrankheit

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Vorab: Vergeßt alle Erfahrungen, die ihr mit Fähren, Frachtern oder anderen Großschiffen gemacht habt! Die Bewegungen eines wesentlich kleineren Schiffes sind mit „Pötten“ nicht zu vergleichen – einfach, weil ihr viel dichter am Wasser dran seid und die Pendelbewegungen auf einer Yacht längst nicht so stark sind wie auf dem Oberdeck eines großen Schiffes.

Seekrankheit besteht aus zwei Komponenten: Zum einen sind es die Bewegungen des Schiffes und die Gerüche an Bord, zum anderen aber auch die mentale Einstellung. Wer meint, bestimmt seekrank zu werden, wird es auch.

Die Sache mit den Gerüchen an Bord erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Alte Schiffe, schlecht gewartete Yachten, Boote mit leckenden Treibstoffleitungen oder Motorenproblemen dünsten manchmal Gerüche aus, die zu Übelkeit auf See führen können. Aus diesem Grund bieten wir nur Mitsegeltörns auf Yachten an, die wöchentlich eine Grundreinigung bekommen, die relativ jung sind (max. 5 Jahre) und von erfahrenem Personal regelmäßig gewartet werden.

 

 

 

 Schiffsbewegungen
Zu den Bewegungen eines Schiffes: Die Bewegung, die um die Längsachse stattfinden, nennt der Seebär „stampfen“, die um die Querachse ist das „Rollen“.

Rollen
Rotationsbewegung eines Schiffes um die Längsachse.

Stampfen
Rotationsbewegung eines Schiffes um die Querachse.

Gieren
Rotationsbewegung eines Schiffes um die Hochachse.

Schwoien, Schwojen
Gradlinige Bewegung eines Schiffes entlang der Querachse.
Bezeichnet auch das Hin- und Herdrehen eines vor Anker liegenden Schiffes bei Wind- und Stromrichtungsänderungen.

So, und nun ist unsere Yacht von den Landleinen befreit und wir fahren hinaus auf die See...

Die Seekrankheit wird vom vegetativen Nervensystem ausgelöst. Zum einen wird der Nervus vestibularis gereizt. Zum anderen kommen widersprüchliche Informationen im Stammhirn an. Augeneindrücke und Gleichgewichtsempfindungen nicht mehr zusammenpassen.

 Das auf See unerfahrene Gleichgewichtsorgan meldet zum Stammhirn: "Hier geht alles drunter und drüber" aber die Lage und Stellung der Muskeln meinen "alles ruhig, kein Positionswechsel". Die Folgen für das Brechzentrum sind die gleichen, wie bei einer Vergiftung. Es wird aktiv und verursacht: Schwindel, Kopfschmerzen, Apathie, Müdigkeit, Arbeitsunlust, Konzentrationsschwäche, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Blässe, Gähnreiz und der Endphase Brechreiz.

Sinn und Zweck dieses Schockzustandes sind noch nicht bekannt. Warum einige Menschen von diesen Symptomen teilweise nicht betroffen sind, ist auch unbekannt.  

 

 

 

Empfindliche Menschen sollten versuchen, die Seekrankheit durch folgende Maßnahmen zu vermeiden: 
  • Während der Reise nicht rauchen
  • mäßig viel Alkohol trinken (wenn überhaupt!)
  • wenig Fett zu sich nehmen
  • Tee ohne Zucker trinken
  • Ingwerstückchen essen
  •  Kichererbsen, geröstet (gibt´s in Griechenland und in der Türkei oft)
  • Gut und viel schlafen
  • Keine körperlichen Höchstleistungen (gerade auch in der Hitze)
  • Sonnenschutz für den Kopf

Möglichst nicht in kleine, geschlossene Räume gehen, also lieber jemanden unter Deck schicken, der es „aushält“, als selber zu gehen. Die Augen nicht fixieren, sondern den Blick wandern lassen, nicht konzentriert lesen. Nicht laut über Seekrankheit reden – dann wird allen plötzlich schlecht – aber schon Bescheid geben. Bestes Mittel ist Rudergehen, aktiv bleiben und den Körper auf die Schiffsbewegungen zu harmonisieren, so ähnlich wie beim Reiten.